Umgang mit dem Jakobskreuzkraut

Jedes Jahr gibt es immer wieder die gleichen heißen Diskussionen um das Jakobskreuzkraut (JKK).

Wir haben die Problematik von mehreren Seiten betrachtet und möchten Sie gerne über unseren Wissensstand informieren:

Die Pflanze

Die einheimische Pflanze gehört zu den sogenannten Korbblütlern, zu denen auch der Löwenzahn und die Schafgarbe gehören. Sie ist meist zweijährig, das bedeutet, sie bildet im ersten Lebensjahr nur eine Rosette und entwickelt erst im zweiten Jahr den ca. 30-100 cm hohen Blütenstand. Der Stängel ist häufig rot überlaufen, die Blätter sind wie gefiedert und unregelmäßig gezähnt, am Ende verbreitert. Sie besitzt insgesamt 12-15 gelbe Zungenblüten (das sind die äußeren auffälligen Blütenblätter).

Blattrosette des Jakobskreuzkrauts:

Häufig wird sie mit anderen Pflanzen verwechselt, z.B. mit dem Johanniskraut, einer bekannten Heilpflanze, das allerdings nur 5 Blütenblätter besitzt und dessen Blätter klein und eiförmig sind:

Durch die Verwechslungsmöglichkeiten werden leider immer wieder auch andere wertvolle Pflanzen entfernt.

Die Verbreitung des JKK erfolgt durch kleine Schirmchen ähnlich dem Löwenzahn.

Nach der Samenbildung stirbt das JKK ab, es sei denn, es wurde in seinem Zyklus gestört, z.B. durch Mahd, dann kann sie auch mehrjährig leben.

Bevorzugter Lebensraum

Die Ansprüche des JKK sind nicht besonders groß. Regelmäßige Bodenbearbeitung liegt ihm allerdings nicht, und so kommt es zu einem häufigeren Auftreten überall dort, wo Vegetationslücken entstehen oder offener Boden zu finden ist. Das sind z.B. Straßenränder, Brachen, extensiv genutzte Flächen

Thema Artenvielfalt

Sehr viele Insekten schätzen das JKK als Lebensraum und Futterpflanze, es sind nahezu 170 Arten bekannt. Ein bekannter Vertreter ist der Blutbär, der früher selten war, dessen Bestand aber mittlerweile nicht mehr gefährdet ist. Tritt der Blutbär häufig auf, schadet er der Pflanze nachweislich, auch andere Fraßfeinde des JKK sind bekannt.

Giftigkeit für Mensch und Tier

Das JKK enthält in allen Teilen Pyrrolizidinalkaloide (PA). Sie dienen der Pflanze als Fraßschutz, jedoch nicht gegen alle Fraßfeinde, wie z.B. den erwähnten Blutbär. Durch die Aufnahme dieses Stoffes werden sie selbst für Fraßfeinde wie z.B. Vögel ungenießbar. PA  werden bei der Aufnahme nicht ausgeschieden, sondern reichern sich im Körper an und wirken dort leberschädigend.

PA sind in vielen weiteren Pflanzen enthalten, wie z.B. Huflattich, Beinwell und sogar Borretsch, selbstverständlich in unterschiedlichen Konzentrationen.

Gefahr für Tiere: Ältere und erfahrene Weidetiere meiden für gewöhnlich das frische JKK, das sie am Geschmack erkennen. Gefährlich wird es für junge Tiere und vor allem durch die Fütterung mit JKK-belastetem Heu, denn bei der Trocknung bleibt der Gehalt an PA erhalten.

Pferde sind besonders empfindlich gegenüber PA. Bis in die 60er Jahre hinein traten Vergiftungen noch häufiger auf, danach sank die Rate durch veränderte Haltungsbedingungen und intensivere Landnutzung. Heute nimmt der Bestand wieder zu, begünstigt möglicherweise durch den Klimawandel, eine veränderte Flächenbewirtschaftung und einer nicht kontrollierten Ausbringung von Saatgut auf Blühflächen. Durch die verzögerte Krankheitserscheinung ist der Nachweis einer Vergiftung durch JKK nicht immer einfach. Der Schutz der Tiere sollte auf jeden Fall gewährleistet sein, ob auf der Wiese oder im Heu.

Gefahr für Menschen: Ein Mensch stirbt nicht durch den direkten Kontakt mit dem JKK, Pflanzen wie Huflattich und Beinwell galten in alten Kochbüchern als Delikatesse. Wie immer macht die Dosis das Gift. PA tauchen in unserer Nahrung vor allem in Tees auf, die nicht ausreichend kontrolliert wurden oder im Honig. In den letzten Jahren werden diese Produkte genauer untersucht, dabei fand man Hinweise darauf, dass sich die Konzentration im Honig im Laufe der Zeit reduzieren kann, nachzulesen in folgenden Zeitungsbeiträgen:

http://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Neues-zum-Jakobskreuzkraut-JKK-Honig-baut-Giftstoffe-in-kurzer-Zeit-ab

Ausrotten oder Dulden?

Gerade heute steht die Artenvielfalt wieder sehr im Vordergrund. Deshalb sollte es bei der Bekämpfung dieser Pflanze nicht um eine Ausrottung, sondern einen angemessenen Umgang mit ihr gehen. Gefahren für Mensch und Tier sollen natürlich beseitigt werden. So ist bei der Bekämpfung zuerst zu prüfen, auf welcher Fläche die Pflanze wächst und welche Pflanzen angrenzen. Wo es auftaucht, sollte es kontrolliert werden. Das bedeutet: Steht das JKK weit ab von Wiesen und Weiden, die der Tierhaltung dienen, muss es aufgrund der Biodiversität nicht zwingend beseitigt werden. Dort, wo es Tiere gefährdet, muss es kontrolliert werden, dazu gibt es verschiedene Maßnahmen.

Maßnahmen zur Bekämpfung und weitere Hintergründe beschreibt ausführlich die Broschüre

„Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut – Meiden-Dulden_Bekämpfung“ des Deutschen Verband für Landschaftspflege

Diese Broschüre und viele weitere Informationen zum Jakobskreuzkraut sind erhältlich über www.kreuzkraut.de/

 

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